Achtsamkeit – Die neue Glücksformel?

„Achtsamkeit – die neue Glücksformel“ – so lautet der treffende Titel eines Interviews im Schweizer Fernsehen (SRF), über den ich kürzlich gestolpert bin. Darin gibt Jon Kabat-Zinn, der als Vater der Achtsamkeitsbewegung gilt, einen guten Einblick in das Thema. Kürzlich habe ich ein Achtsamkeitstraining absolviert über das ich im Anschluss berichten werde.

Jon Kabat-Zinn – Botschafter der Achtsamkeit

Jon Kabat-Zinn ist emeritierter Professor an der Massachusetts Medical School, der sich seit über 30 Jahren mit Achtsamkeit beschäftigt. Er hat ein Programm namens MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction) ins Leben gerufen, das aus einem 8-wöchigen Kurs zur Stressbewältigung besteht. Gleichzeit hat er darüber geforscht, wie Achtsamkeit wirkt und welche Auswirkungen auf das Wohlbefinden sich daraus ergeben.

Achtsamkeit – was ist das?

Er beschreibt Achtsamkeit als den Zustand im Moment zu verweilen – im Hier und Jetzt. Dies wird durch Meditations- und Yoga Übungen praktiziert. Letztlich geht es darum, immer mehr in der Gegenwart zu leben und alltägliche Aktivitäten des Lebens „achtsam“ in Sinne von „bewusst“ auszuführen. Das bewirkt, dass wir ausgeglichener sind und befähigt uns jeden Augenblick mit größerer Wachheit, Klarheit und Akzeptanz zu leben, auch inmitten alltäglicher Stresssituationen und angesichts körperlicher oder seelischer Schmerzen. Es geht also nicht nur darum sich Zeit freizuschaufeln um im Schneidersitz zu meditieren, sondern um eine komplett neue Haltung – bis im Grunde das Leben selbst zur Meditation wird.

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Wurzeln der Achtsamkeit & wissenschaftliche Forschung

Achtsamkeit hat ihre Wurzeln im Buddhismus und bedient sich einer Meditationspraxis, die seit zweieinhalb Jahrtausenden erprobt und angewendet wird. Als Wissenschaftler im Forscherteam eines Nobelpreisträgers hat Jon Kabat-Zinn es geschafft, den Mindfulness-Ansatz wissenschaftlich zu erforschen und gleichzeitig für den Westen zugänglich und bekannt gemacht. In seinen Forschungen konzentrierte er sich auf die Geist-Körper-Interaktionen bei der Heilung und den klinischen Anwendungen des Achtsamkeitstrainings für Menschen mit chronischen Schmerzen und mit Stress verbundenen Störungen. Dazu gehörten auch die Wirkungen von MBSR auf das Gehirn, und wie es Emotionen verarbeitet, besonders unter Stress, und auf das Immunsystem (zusammen mit Dr. Richard J. Davidson und Kollegen an der University of Wisconsin).

Verbreitung & Kritik

Als Behandlungsmethode hat die Achtsamkeitsbewegung mittlerweile in Universitätskliniken, Krankenhäusern, Gesundheitszentren aber auch in Profi-Sportverbänden Fuß gefasst. Zunehmend bedienen sich auch wirtschaftliche Unternehmen und politische Einrichtungen dieser Praxis, um die Produktivität der Mitarbeiter*innen zu steigern. Daher rührt die Kritik an der Mindfulness-Bewegung sich zu einer Komplizin einer auf Effizienz ausgerichteten Welt zu sein. Statt das System zu kritisieren, würden die Menschen geschult, gelassen den Stress zu ertragen. Jon Kabat-Zinn erklärt, dass dies der Preis des Erfolges sei, er aber an einen Wandel von innen heraus glaube. Diejenigen, die Achtsamkeit nur als Trend sehen und bei einem oberflächlichen Zugang bleiben, würden sich schnell langweilen. Diejenigen, die aber mit dem Ansatz in Resonanz gehen und sich tiefergehend damit auseinandersetzen, können ihr eigenes Wohlbefinden aber auch ihr Umfeld und das ihrer Mitarbeiter*innen nachhaltig positiv beeinflussen, so Jon Kabat-Zinn.

In Gedanken verloren oder im Jetzt sein

Er führt weiter aus, dass es zwei Orte um abzutauchen gibt: Die Vergangenheit (Erinnerungen) und die Zukunft (das Planen). Die Fähigkeit nach vorne und hinten zu blicken zeichnet uns als Menschen aus. Da wir aber oft stark absorbiert sind, bleibt kein Platz für die Gegenwart – den Moment, den wir live erleben. Das hat Auswirkungen auf unsere Lebensqualität und unsere Gesundheit. Achtsamkeit ist ein Weg sich mit der eigenen Erfahrung anzufreunden – egal wie sie aussehen – um die Hochs und Tiefs des Lebens mit einer gewissen Gelassenheit und Mitgefühl für sich selbst zu durchschreiten. Kabat-Zinn nennt es so: „Es ist sehr einfach unser Leben zu verpassen, weil wir derart in unseren Köpfen gefangen sind, sozusagen „in Gedanken verloren“. Um präsent zu sein braucht es die Bereitschaft und die Praxis.

Siehe dazu: Beitrag vom SRF vom 14. Februar 2016 „Achtsamkeit – die neue Glücksformel“

Achtsamkeitskurs – ein Erfahrungsbericht

In dem 8-wöchigen MBSR-Gruppenkurs haben wir unterschiedliche Übungen gemacht. Ein Klassiker ist der Body Scan. Es handelt sich um eine geführte Meditation durch den Körper, wobei es darum geht in den Körper zu spüren ohne zu bewerten. Mein Fazit: sehr erholsam. Es besteht zu Beginn die Gefahr einzuschlafen, da diese Übung im Liegen gemacht wird. Mit der Übung hat sich das aber bei mir eingestellt.

Eine andere schöne Übung ist die „Begegnung“ mit einer Rosine. Mit allen Sinnen wird diese wahrgenommen: betrachtet, gefühlt, gehört (ja, Rosinen machen Geräusche, wenn man sie nahe ans Ohr hält!) und schließlich landen sie im Mund, wo sie genüsslich ertastet und verspeist wird. Eine banale Übung, die aber sehr gut veranschaulicht, worum es beim Achtsamkeitstraining geht.

Jede Woche gibt es „Hausaufgaben“, die bis zum nächsten Mal geübt werden sollen. Vom achtsamen Zähneputzen bis zum bewussten Gehen und in jeder Einheit werden neue Übungen vorgestellt bzw. gemeinsam praktiziert. Auch simple Yoga Übungen im Sitzen und Liegen kommen dazu. Dazwischen wird in der Gruppe über die eigenen Erfahrungen reflektiert.

Alles in allem, fand ich den MBSR-Kurs sehr lohnenswert. Er hat mich sicherlich dabei unterstützt zur Ruhe zu kommen, zu entspannen, was wiederum zu mehr Ausgeglichenheit und Fokus beigetragen hat. Gute Gründe also mich tiefergehend mit dem achtsamen Weg zu beschäftigen. Fortsetzung folgt. Den Kurs kann ich jedenfalls wärmstens empfehlen. 🙂

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3 Kommentare on Achtsamkeit – Die neue Glücksformel?

  1. Maria Kaufmann
    27. März 2017 at 8:58 (2 Jahren ago)

    liebe Angelika, danke für den interessanten Artikel

    Antworten
  2. David
    31. März 2017 at 18:05 (2 Jahren ago)

    Danke für den ausführlichen Beitrag! 🙂
    Wo hast du den MBSR-Kurs gemacht? Würde mich vielleicht auch interessieren.

    Antworten

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