Die Welt des Tees

Sandy Erdmann-Pinderak war früher Balletttänzerin – bis sie sich für ihre 2. Leidenschaft, die Welt des Tees, entschied. Seit ein paar Jahren führt sie ein kleines, sehr feines Teehaus namens Tenorissimo in Wien 13 (unweit der U4 Station Unter St. Veit).

Teehaus Tenorissimo

Woher stammt dein Interesse für Tee?

Als ich ungefähr 15 Jahre alt war wurde mein Papa passionierter Teetrinker. Seine Beweggründe waren gesundheitliche. In der DDR, wo ich groß geworden bin gab es nicht so viele Teesorten und nach der Öffnung fing er an täglich grünen Tee zu trinken.  So bin auch ich auf den Geschmack des Tees gekommen. Mit 20 Jahren – als ich noch als Balletttänzerin – arbeitete wusste ich bereits, dass ich später mal Tee verkaufen wollte. Ich war viel in Teegeschäften und baute mir dieses Hobby nebenbei auf.

Auf deiner Webseite steht „Tee macht mich glücklich. Und Sie?“

Mir ist es wichtig, genussfähig zu sein d.h. den Mut aufzubringen verschiedene Geschmäcker wahrzunehmen und offen zu sein Neues auszuprobieren und dabei Glück zu empfinden. Ich reise nicht viel, sondern beglücke mich gern mit gutem Essen und Trinken. Das Teetrinken ist wie eine Reise. Das Genießen spielt für meine Familie und mich eine wichtige Rolle.

Sandy @ Tenorissimo

Wieso eigentlich Tee und nicht Kaffee?

Es sind die vielen Geschmäcker. Beim Kaffee gibt es meiner Meinung nach nur einen typischen Geschmack aber bei Tee gibt es eine ganze Palette. Als Jugendliche habe ich so auch einen leichteren Einstieg gehabt, da Kaffee damals noch kein Thema war.

Du hast dann das Teehaus Tenorissimo in Hietzing gegründet – wie kam es dazu?

Nach Wien bin ich eigentlich zum Ballett tanzen gekommen. Sehr bald habe ich eine Annonce für eine freie Stelle als Teeverkäuferin bei Haas & Haas entdeckt und sie auch bekommen. Ich hörte mit dem Tanzen auf, weil ich mich ganz dem Tee widmen wollte. Von Frau Haas habe ich viel gelernt. Nach zwei Jahren war mir klar, dass ich jetzt soweit war mein eigenes Geschäft aufzubauen. Vom Tanzen wusste ich, dass es möglich ist, sich seinen Traum zu erfüllen. Jetzt wollte ich mich in diesem Bereich selbstverwirklichen und ich hatte das große Glück, dass mich mein Mann unterstützte. In Hietzing bin ich durch die Gassen gegangen und habe dieses Objekt gesehen und gleich zugeschlagen.

Wie hast du dir deine Tee Kollektion zusammengestellt?

Ich wusste viel über die Hersteller und welche Tees bei den Leuten gut ankommen durch die Erfahrung bei Frau Haas. Ich habe mich schließlich für einen Lieferanten entschieden und kaufe dort mit gutem Gewissen ein d.h. ich kaufe nicht direkt in den Teeproduktionsländern, sondern setze auf einen Lieferanten, der auch die Qualitätskontrolle übernimmt und dem ich vertraue. Das wichtigste Kriterium für mich ist, dass mir der Tee schmeckt, denn dann kann ich ihn auch gut meinen Kunden empfehlen. Es gibt nur einen einzigen Tee im Sortiment, den ich nicht mag: ein geräucherter Schwarztee. Der ist für mich sehr gewöhnungsbedüftig, aber er kommt bei Männern gut an. Am besten ist eine Teeverkostung geeignet um sich auf verschiedene Geschmäcker einzulassen und seine eigene Lieblingssorte zu finden. Solche Verkostungen biete ich übrigens bei mir im Laden an. Stichwort: Teeverkostungen

Was ist dein Lieblingstee?

Das ist abhängig von der Jahreszeit. Im Winter eher schwarz, im Sommer grün. Ich höre auf meinen Körper. Gebe ihm was er gerade braucht und variiere gern.

Eine Kanne Tee im Tenorissimo

Achtsamkeit & Tee – wie stehst du dazu?

Um Tee zu trinken muss man sich die Zeit nehmen. Es geht ums Genießen und bewusste schmecken und riechen. Tee trinken ist beruhigend und kann uns im hektischen Alltag sehr gut runterholen. Ich empfehle einen Tee am Morgen zu trinken und bewusst anzukommen und in den Tag zu starten. Allein die Zubereitung: das Wasserkochen, Sorte auswählen, das Ziehen lassen ist ja bereits ein Ritual, das entschleunigt.

Was sagst du zur Faszination für Matcha Tee?

Es ist Trend, der durch gutes Marketing gehypt wird. Im Grunde wird angepriesen, dass wir durch Matcha mehr Leistung erbringen können, dass wir Energie bekommen. Matcha belebt und der Effekt hält länger als bei Kaffee. Das passt eben sehr gut in unsere Leistungsgesellschaft. Das Matcha trinken wird also in einen völlig neuen Kontext gestellt. In Japan sind Zubereitung und das Trinken sehr ritualisiert und hat viel mit Achtsamkeit und Entschleunigung zu tun. Ich trinke gerne Matcha aber in erster Linie, weil er mir gut schmeckt.

Blick von oben

Wenn du den Begriff Glück hörst, was bedeutet das für dich?

Innere Zufriedenheit. Frieden mit sich selbst. Nicht immer den Drang zu haben mehr zu wollen und zu übersehen wie schön ich es habe. Sehnsüchte wie z.B. einen schönen Urlaub zu machen, haben wir alle. Trotzdem zufrieden und dankbar zu sein und das zu erkennen ist Glück.

Was braucht es für dich ein glückliches Leben zu führen?

Träume verwirklichen – und nicht aufgeben. Gesund sein. Menschliche Beziehungen. Familie, meine Tochter und Freunde. Teetrinken. Menschlich sein miteinander. Das macht mich glücklich. Eine gute Balance und Harmonie.

Sandy Erdmann-Pinerak

1 Kommentar on Die Welt des Tees

  1. Maria Kaufmann
    29. Mai 2017 at 9:19 (3 Jahren ago)

    Das „Kleine Teegeschäft“ in der St. Veitgasse kann ich nur empfehlen. Man sitzt gut, kann auch mit Sandy plaudern (wenn man will) und es gibt gute Mehlspeisen.

    Antworten

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