Dr. Ha Vinh Tho über das Bruttonationalglück

„Freuen Sie sich auf einen inspirierenden Abend“ stand in der Ankündigung des Gartenbaukinos in Wien. Absolut zutreffend ist mein Resümee. Dr. Ha Vinh Tho ist Programmdirektor des Gross National Happiness Zentrums in Bhutan. Im Gespräch mit Claudia Stöckl sprach er am 6.9.2016 über das in Bhutan zum Staatsziel erklärte Bruttonationalglück.

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Dr. Ha Vinh Tho im Gartenbaukino

Bruttonationalglück – Wie wird Glück gemessen?

Wie Dr. Ha Vinh Tho eindrucksvoll erklärt, ist das Bruttonationalglück ein Versuch ganzheitliche Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, die nicht nur auf das Wirtschaftswachstum ausgerichtet sind:

  • Eine sozial gerechte wirtschaftliche Entwicklung
  • Die Erhaltung und Förderung der Kultur
  • Den Schutz der Umwelt: Bhutan ist CO2 negativ!
  • Eine gute Regierungsführung

Es begann damit, dass sich der 4. König Jigme Singye Wangchuck in den 1970er Jahren auf eine 2-jährige Reise durch Bhutan machte. Er war noch sehr jung und wollte von seinem Volk wissen, was sie von ihm als König erwarteten. So wanderte er von Dorf zu Dorf und bekam Antworten. Er erkannte eine Gemeinsamkeit – alle wollten glücklich sein! So wurde das Glück ein zentrales Regierungsziel. Und nicht nur die Menschen, sondern alle Lebewesen und die Umwelt sollten davon profitieren. Seither werden alle 3 Jahre Befragungen gemacht und das Bruttonationalglück erhoben. Dabei werden Faktoren wie der Umgang mit Zeit, die Einbindung in die Gemeinschaft, die Lebensqualität berücksichtigt.

Bhutan ist ein Experiment

Dr. Ha Vinh Tho sieht Bhutan als Experiment und „work in progress“. Viel Positives wurde erreicht, aber Entwicklungen haben auch Schattenseiten, für die neue Lösungen gefunden werden müssen. Heute haben alle Kinder in Bhutan Zugang zu Bildung. Daher gibt es viele gut ausgebildete junge Menschen, die jedoch keine Arbeitsplätze finden. Zwar ist Bhutan arm, aber im Vergleich zu den Nachbarländern sei die Lebensqualität sehr hoch. Immer wieder melden sich andere Länder aber auch Firmen und interessieren sich für den Vorstoß Bhutans.

Der Glücksexperte ist überzeugt, dass wir im Westen von einem überholten Bild ausgehen, das Wachstum und Profit zu sehr in den Vordergrund stellt. Er plädiert für einen Bewusstseinswandel, eine solidarische Wirtschaft und verweist auf die von Christian Felber geprägten „Gemeinwohl-Ökonomie“.

Dr. Ha Vinh Tho – im Portrait

Dr. Ha Vinh Tho ist Sohn eines Aristokraten aus Vietnam und einer Französin aus einer Arbeiterfamilie. In Frankreich geboren, lebte und arbeitete er viele Jahre in der Schweiz beim Internationalen Komitee des Roten Kreuzes. Er ist mit einer Österreicherin verheiratet und spricht fließend Deutsch. Er meditiert täglich 2 ½ Stunden und spricht von einem auf Achtsamkeit und Gegenwärtigkeit ausgerichteten Lebensstil. Er empfiehlt die bekannte Metta (Loving-Kindness) Meditation, die auch der Dalai Lama praktiziert, um Mitgefühl und Glück zu üben.

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Bruder David, Claudia Stöcke und Dr. Ha Vinh Tho

Der Staat oder eine Firma kann ganzheitliche auf Glück ausgerichtete Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen aber wir müssen auch bei uns beginnen. Er spricht davon, dass wir Glück lernen können, indem wir einen guten Umgang mit unseren Emotionen finden, in unseren sozialen Beziehungen bewusst zuhören und präsent sind und eine mitfühlende Grundeinstellungen allen Lebewesen gegenüber hegen.

Ich bringe meiner Frau jeden Tag das Frühstück ans Bett.

Bhutan – Land des Donnerdrachen

  • Der Himalaya-Staat ist so groß wie die Schweiz
  • 80% der Fläche liegt über 2000 m Höhe.
  • Mehr als 2/3 des Landes ist bewaldet
  • 750.000 Einwohner
  • Nationalsport ist Bogenschießen
  • Konstitutionelle Monarchie

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