Happiness and Work

Kürzlich habe ich eine spannende Abendveranstaltung über „Happiness and Work“ besucht. Den ersten Vortrag hielt Verhaltensökonom Andrew Oswald (UK) darüber wie Zufriedenheit am Arbeitsplatz und subjektives Wohlbefinden zusammenhängen. Oswald forscht an der University of Warwick in Großbritannien und ist im Bereich „Economics of happiness“ eine Koryphäe. Über Andew Oswald

Andrew Oswald, Arbeiterkammer Wien

Ein paar Erkenntnisse

  • Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist grundsätzlich relativ hoch in Industriestaaten.
  • Europäer sind generell mit ihrer Arbeit zufrieden (5,4 von 7 bewertet). Die Schweizer sind am zufriedensten.
  • Frauen sind tendenziell glücklicher am Arbeitsplatz.
  • MitarbeiterInnen um die 40 Jahre sind statistisch gesehen am wenigsten zufrieden am Arbeitsplatz („mid life low effect“). Die Ursachen sind noch ungeklärt.
  • Junge Menschen sind tendenziell glücklicher.
  • Wirtschaftswachstum und Glück korrelieren nicht.
  • Es gibt eine Tendenz, dass der Arbeitsstress zunimmt.
  • Je kleiner der Arbeitsplatz d.h. Firma, desto glücklicher die MitarbeiterInnen.
  • Einer der wesentlichsten Faktoren für Zufriedenheit am Arbeitsplatz: the boss! Die Vorgesetzte soll kompetent sein, sich in ihrem Metier auskennen, Sicherheit geben und ein offenes Ohr haben.
  • ArbeitnehmerInnen wollen ein Stück Autonomie d.h. die Möglichkeit selbst zu gestalten und Freiräume haben.

Give employees small freedomes. (Andrew Oswald)

  • Warum sollen sich Firmen darum kümmern, dass die Arbeitszufriedenheit steigt? –> Happiness makes people more productive! Die Produktivität steigt nachweisbar d.h. glückliche ArbeitnehmerInnen sind wertvoll für Unternehmen.
  • Zufriedene MitarbeiterInnen kündigen auch weniger häufig, was Firmen ebenfalls zugutekommt.
  • Glück und physische Gesundheit hängen wahrscheinlich zusammen. Wie genau muss noch erforscht werden.
  • Große Auswirkungen auf das subjektive Wohlbefinden haben: Scheidung, Heirat, Trauerfall, Freundeskreis, Gesundheit
  • Keinen Effekt auf Glück haben Kinder. Enkelkinder scheinbar aber doch.

Doris Tomanek und Andrew Oswald, Arbeiterkammer Wien

Doris Tomaneks Redebeitrag unterlegte viele Erkenntnisse mit praktischen Erfahrungen und Beispielen. Tomanek ist Mitglied des Vorstandes der UniCredit Bank Austria AG. Als Verantwortliche für HR hat sie sich immer wieder gefragt, wie MitarbeiterInnen motiviert werden können. Über Doris Tomanek

Transparente Gehälter

Transparente Gehälter hören sich nach einer guten Idee an. Es zeigt sich aber, dass die Leute, die bereits gut verdienen und dann über die Offenlegung der Gehälter erfahren, dass sie wirklich gut verdienen, nicht zufriedener werden. Die Transparenz hat kaum oder keine Auswirkungen auf sie. Es wird dann ein Problem, wenn die MitarbeiterInnen wissen, dass sie weniger verdienen als andere. Dann werden sie richtig unzufrieden und fangen an die Firma zu verlassen. Dadurch wird also Unglück erzeugt.

Motivationsfaktor Geld

Ihrer Erfahrung nach ging es früher oft um Gehalt und Weiterbildung. Das reicht heute nicht mehr. Einkommen wird immer weniger wichtig.

Wir machen Übungen mit Leuten und lassen sie in Gruppen arbeiten. Wenn wir sie mit Geld motivieren geht das mit einfachen Aufgaben sehr gut. Je komplizierter die Aufgabe, desto weniger spielt Geld eine Rolle. (Doris Tomanek)

Jobsicherheit ist wichtig aber immer mehr junge Leute wissen, dass es nicht der Job bis ans Lebensende ist. Heute geht es vielmehr um interessante Jobs.

Die Rolle des/der Vorgesetzen

Es ist wichtig, dass der bzw. die Vorgesetzte zumindest grundlegend versteht, worum es geht und was die MitarbeiterInnen tun. Früher hat man eher die Experten befördert, denen es oft an Leadership Skills fehlte. Das andere Extrem, nämlich Vorgesetzte einzusetzen, die überhaupt keine Ahnung von der Materie hatten, hat sich auch nicht bewährt. Es braucht daher den Mittelweg! Heute müssen gute Führungskräfte drei wichtige Eigenschaften in sich vereinen:

  • Vision & Strategie
  • Empathie
  • Einen strukturierten und gut organisierten Arbeitsstil

Die Klarheit von Zielen ist wichtiger als der Zeitplan, in dem die Aufgaben erledigt werden sollen. Je höher die Führungsposition, umso wichtiger wird es, sich selbst motivieren zu können. Kommt die Motivation anfangs noch von der eigenen Vorgesetzten, dann wird die Luft an der Spitze immer dünner.

Zufriedenheit am Arbeitsplatz

Im Vergleich zwischen Ost- und Westeuropa sieht Tomanek das Engagement im Osten wesentlich höher. Sie erklärt es sich für den Bankensektor mit der großen Anzahl an jungen Arbeitskräften mit weniger Umstrukturierungserfahrungen. Tomanek bestätigt, dass Menschen am Anfang und am Ende ihrer Karriere am glücklichsten sind. Auch für Tomanek gilt: In der Bank sind Frauen engagierter und zufriedener und haben einen stärkeren Fokus auf interessante Jobs. Männer hingegen stellen höhere Erwartungen an die Firma.

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