Matthieu Ricard und sein Buch „Glück“

Kürzlich habe ich ein sehr interessantes Buch mit dem Titel „Glück“ von Matthieu Ricard gelesen, das ich sehr empfehlen kann. Der Autor ist buddhistischer Mönch und hat einen Doktortitel in Molekularbiologie. Als Sohn einer Künstlerin und eines Philosophen aus Frankreich hätte er ein klassischer Intellektueller werden können. Er entschied sich für das Leben im Kloster. Jahrelang war er offizieller Französisch-Übersetzer für den Dalai Lama.

In seinem Buch „Glück“ gibt Ricard einen guten Überblick über die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Glücksforschung, Neurobiologie, Philosophie und verbindet diese mit buddhistischen Einsichten. Neben der theoretischen Auseinandersetzung gibt es auch praktische Übungen und Meditationsanleitungen.

Fazit

Vieles kam mir aus anderen Büchern aus der Glücksforschung bekannt vor. Das Buch gibt aber einen wirklich guten Überblick über die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Thematik. Was mir besonders gut gefallen hat, sind die praktischen Übungen, die Forschungsergebnisse über die positive Wirkung von Meditation und die Verweise auf den Buddhismus.

Hauptaussagen des Buches

  • Glück ist erlernbar, es ist eine Fähigkeit. Es erfordert Reife und Übung inneres Glück zu kultivieren. Es geht um die Schulung unseres Verstandes und die Entwicklung menschlicher Qualitäten wie inneren Frieden, Achtsamkeit und altruistische Liebe.
  • Echtes Glück ist nicht an eine Aktivität geknüpft, sondern ein Geisteszustand in emotionaler Balance. Nicht die äußere Welt entscheidet über unser Glück. Das wahre Glück ist ein innerer Zustand.
  • Es geht nicht darum kurzfristigen oder zufälligen Hochgefühlen nachzujagen, sondern “Sukha”, dauerhaftes Glück, zu erlangen.
  • Glück heißt auch mit negativen Emotionen wie Hass und Neid umzugehen zu lernen. Durch Achtsamkeit können solche Gefühle und Gedanken im Entstehen bewusstgemacht und verworfen werden.
  • Wir können uns auf theoretischer Ebene jahrzehntelang mit dem Thema Glück befassen und werden irgendwann an unsere Grenzen kommen. Nur durch Schulung unseres Geistes und Umgang mit negativen Emotionen u.a. durch Meditation und Achtsamkeit können wir dauerhaftes Glück in uns wachsen lassen.

Neues Forschungsfeld – Neuroplastizität

Ricard vermittelt inspirierende Einblicke in den aktuellen Forschungsstand zur Funktionsweise des Gehirns. Noch vor wenigen Jahren glaubte man, dass Gehirn sei absolut unveränderlich. Heute weißt man, dass sich unser Gehirn kontinuierlich weiterentwickelt, neue Neuronen, neuronalen Verbindungen entstehen und bestehende verstärkt werden können in Antwort auf unsere Erfahrung. Dieser Prozess wird Neuroplastizität (Neuronale Plastizität) genannt und ist wohl eines der spannendsten Forschungsfelder der heutigen Zeit.

Ricard ist prädestiniert dafür sich in dieses Feld einzubringen. Als Wissenschaftler mit jahrzehntelanger Meditationserfahrung wurde er eines der ersten „Versuchskaninchen“, wie er es selbst ausdrückte und arbeitete mit renommierten Wissenschaftlern wie Paul Ekman und Richard Davison zusammen. In aufwendigen Untersuchungen über Meditation zeigte sich, dass es – im Vergleich zu Meditationsanfängern oder einer Kontrollgruppe – bei erfahrenen Meditatoren zu einem dramatischen Anstieg an hochfrequenten Gammawellen im Gehirn kommt.

Dies gilt als Beweis dafür, dass wir unser Gehirn durch Meditation so trainieren können, wie wir durch Sport unsere Muskeln aufbauen.

Wir können also unser Gehirn bewusst verändern. Was das genau bedeutet, verstehen wir bisher nur in Ansätzen. Fest steht, dass wir die Wirkung und den positiven Einfluss von Meditation in Zusammenhang mit einem glücklichen Leben nicht länger ignorieren können.

Zum Schluss noch ein ergänzender TED-Talk von Matthieu Ricard. Dauer: ca. 20min, Englisch.

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