Mit dem Rad um die Welt

Daniel (32) aus Ried im Innkreis hat sich auf den Weg gemacht. Mit dem Fahrrad erkundet er die Welt. Mit einer groben Route im Kopf aber ohne Zeitlimit, ist er im April 2016 losgeradelt. Früher war er als Skitrainer in Österreich und Neuseeland tätig. Kürzlich hat er eine zweijährige Tischlerlehre erfolgreich abgeschlossen. Ich lernte ihn in Tiflis, Georgien beim Frühstück in einer Pension kennen.

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Was waren deine Beweggründe für diese Reise mit dem Rad?

Daniel: Ich war früher öfters als Backpacker mit dem Rucksack unterwegs und reiste viel mit dem Bus. Diesmal wollte ich es anders machen.

Ich wollte die Reise zur Reise machen, um nicht nur die Orte, sondern auch das was dazwischen liegt näher kennenzulernen.

Ich meide eher touristische Plätze. Mir geht es mehr um die Menschen und wie sie leben. Mit dem Fahrrad bin ich halbwegs flexibel und kann die Strecke, den Prozess des Reisens mehr  in den Vordergrund stellen. Ich habe vor drei Jahren schon einmal eine Testfahrt nach Frankreich gemacht. Da bin ich von Ried im Innkreis über Venedig, die Côte d’Azur bis an die Atlantikküste gefahren und dann mit dem Zug über Lyon und die Schweiz wieder zurück. Das hat mir damals schon so gut gefallen, dass ich gleich losstarten wollte aber dann habe ich mich für die Tischlerlehre entschieden.

Wie kam es, dass du mit 30 Jahren eine Tischlerlehre begonnen hast?

Daniel: Durch meine Reisen bin ich zum Surfen gekommen. So entstand die Idee, mir mein eigenes Surfboard zu bauen. Da ich ein „Öko-Fritz“ bin, wollte ich es aus Holz basteln. Dadurch habe ich gemerkt, dass mir das Arbeiten mit Holz Spaß macht und in mir entstand der Wunsch mehr über die Holzverarbeitung zu lernen.

Und das Surfboard hast du fertiggestellt?

Daniel: Mittlerweile habe ich schon mehrere Boards gebastelt. Jetzt bin ich ungefähr dort, wo ich mit dem Design und der Form hinwollte. Ich muss dazu sagen, dass ich mir das alles selbst erarbeitet habe und stundenlang im Internet recherchiert habe.

Du bist also über dieses Hobby zur Tischlerlehre gekommen und jetzt wo du fertig bist, startest du deine Reise? Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?

Daniel: Die Reise war eigentlich schon vorher geplant. Es war so, dass sich die Tischlerlehre so gut ergeben hat, dass ich nicht nein sagen konnte. Meine Mutter hatte Bedenken und mein Vater war von Anfang an begeistert. Fast alle haben meinen Plan für gut befunden. Viele haben mir gesagt, dass sie auch gerne eine längere Reise machen würden.

Wie bist du auf das Rad gekommen? Du hättest ja auch mit dem Motorrad oder per Anhalter fahren können?

Daniel: Per Anhalter wäre noch eine Option gewesen, aber da hätte ich mich zu ausgeliefert gefühlt. Mit dem Rad finde ich das wesentlich flexibler, was mir persönlich etwas Sicherheit gibt. Ich habe auch überlegt zu Fuß loszumarschieren, aber das wäre mir zu langsam und mit dem Motorrad hätte mich der Verkehr zu sehr abgelenkt.

Das Rad ist für mich die goldene Mitte. Man kann jederzeit stehenbleiben und die Landschaft genießen.

Bist du auf Radwegen unterwegs oder gibt’s sowas überhaupt in anderen Ländern?

Daniel: Die gibt’s nur in Österreich, Deutschland und Italien, so wie ich das bisher gesehen habe. Ich habe am Donauradweg begonnen. In Ungarn gibt es dann vor allem Nebenstraßen bis ans Schwarze Meer. Ich bin bis Belgrad an der Donau entlanggefahren und habe von dort dann meine eigene Route eingeschlagen.

Hast du die Route vorab geplant?

Daniel: Ich habe mir einfach die Weltkarte angeschaut und überlegt, wie man am besten fahren kann, für welche Länder ein Visum benötigt wird und welche Jahreszeiten am besten passen. So habe ich mir dann eine Route zusammengestöpselt. Die wichtigsten Eckpunkte sind der Pamir Highway durch das Hochgebirge in Tadschikistan und der Karakorum Highway von China nach Pakistan. Der beherbergt den höchsten asphaltierten Straßenpass der Welt, der über 4.900 Meter liegt. Das wird eine Herausforderung! Im Hochsommer werde ich im Himalaya sein und dann nach Burma fahren. Dort werde ich ein Projekt von der Organisation „Gemeinsam gegen Landminen“ besuchen. Danach möchte ich über Indonesien nach Papua-Neuguinea. Westaustralien und Neuseeland möchte ich auch gerne sehen und von dort ins Feuerland fliegen und hinauf bis an die US-Grenze radeln. Der „Pacific Crest Trail“ quer durch die USA bis nach Kanada reizt mich sehr und wäre zur Abwechslung eine Wanderung. Das Rad würde ich dann vorausschicken. Alaska wäre auch noch schön aber das wird sich weisen. Mal sehen, wie weit ich wirklich komme und wie lange die Motivation hält. 🙂

Was genau ist deine Rolle für die Organisation „Gemeinsam gegen Landminen“?

Daniel: Ich bin Botschafter für „Gemeinsam gegen Landminen“. Ich habe dem Verein angeboten über meine Reise, Fotos und Berichte Spendengelder zu lukrieren. Ich wollte unbedingt etwas Gutes tun auf dieser Reise. Da ich durch viele Länder fahre, die früher Kriegsgebiete waren und wo nach wie vor viele Landminen und Blindgänger vergraben sind, hat sich das angeboten.

Wie viele Kilometer legst du pro Tag zurück? Hast du speziell dafür trainiert?

Daniel: Ungefähr 100 km. Das Ziel sind min. 4.500 km. Es kommt auf die Strecke an aber ich habe einen guten Rhythmus gefunden. Hin und wieder bin ich auch ein bisschen erschöpft. 😉

Was für ein Fahrrad hast du? Und wie navigierst du?

Daniel: Ich habe ein Lastenfahrrad mit einem stabilen Rahmen und vielen Gepäckträgern. Seit ich weggefahren bin habe ich *klopf, klopf* noch keinen Platten gehabt. Ich navigiere mit einer Open Street map am Handy. GPS habe ich keines. Ich kaufe mir auch ab und zu Straßenkarten. Oft gibt’s auch klare Hauptverbindungsrouten. Ich orientiere mich auch an Ortsschildern. Viel Fragen gehört auch dazu. So komme ich mit den Leuten ins Reden.

Hast du manchmal Sicherheitsbedenken?

Daniel: Nein, bisher nicht. Respekt habe ich davor, einmal in einer Stadt im falschen Viertel zu landen. Versichert bin ich jedenfalls. 🙂

Was sind deine Eindrücke von den Menschen?

Daniel: Sehr positiv. Ich war in vielen Dörfern die Hauptattraktion, weil so ein Radtourist scheinbar nicht so oft vorbeikommt. 🙂 Ich bin immer herzlich empfangen worden. In der Türkei bin ich jeden Tag 2-3-mal auf einen Chai (Tee) und Essen eingeladen worden. Zum Zelten wurden mir Schlafplätze in Carports und Gärten angeboten. Mit Englisch und Deutsch bin ich bisher sehr gut durchgekommen. In den Städten übernachte ich gern in Hostels, um mit anderen in Kontakt zu sein.

Wie geht es dir mit der Einsamkeit?

Daniel: Ich freue mich wiedermal Österreicher zu treffen (lacht). Es gibt schon so Momente aber es passt für mich. Ich sehe da auch einen Unterschied zwischen Alleinsein – was ich ja die meiste Zeit bin – und wirklicher Einsamkeit.

Was bedeutet für dich persönlich Glück und was erhoffst du dir von dieser Auszeit?

Daniel: Für mich ist das keine Auszeit, sondern ein Lebensabschnitt. Ich habe mein Leben immer in Phasen bzw. Abschnitten gesehen.

Mich macht es glücklich, wenn ich etwas Neues sehe und neue Erfahrungen mache. Für das persönliche Glück – sobald die Grundbedürfnisse erfüllt sind – braucht es nicht mehr viel und es steht dem Glück nichts mehr im Weg.

Ich habe in den letzten Jahren bewusst versucht mein Leben zu minimalisieren. Ich habe auf materielle Dinge verzichtet und habe einfach wenige Dinge, über die ich mir „den Kopf zerbrechen“ muss. Ich lebe sehr bewusst und hinterfrage sehr genau, was und warum ich etwas tue. Damit wurde es für mich einfacher, mich befreit zu fühlen um Glück zu erleben. Ich glaube, dass viele Menschen verlernt haben, bewusst zu leben und daher das Leben kompliziert wird. Ich glaube, dass viele Menschen benebelt sind von Verpflichtungen, Aktivitäten, Stress genauso wie von Alkohol, Zigaretten und Fernsehen. Dazu kommt die Werbung, die die Menschen dazu verführt, das Glück im Konsum zu suchen. Mich machen andere Dinge glücklich. Vorgestern bin ich auf 2.400m mit dem Rad stehen geblieben und habe in eine wunderschöne Steppenlandschaft geschaut. Dort hätte ich lang stehen können, wäre es nicht so kalt gewesen wäre (lacht). Das war so ein Glücksmoment für mich!

Was ist dein Motto auf der Reise?

Meine Schwester hat mir vor meiner Abreise eine Postkarte mit einer Schildkröte und dem Spruch „Forward is Forward – speed does not matter!“ geschenkt. Das ist mein Motto! Lustigerweise habe ich in Bulgarien und in der Türkei öfters handtellergroße Schildkröten auf der Straße gesehen. Ein paar habe ich vor dem Straßenverkehr gerettet. Das bedeutet für mich immer nach vorne zu schauen, egal mit welcher Geschwindigkeit weiterzufahren, einmal um die Welt.

Weitere Infos über Daniels Reise hier

1 Kommentar on Mit dem Rad um die Welt

  1. Barbara
    6. September 2016 at 17:47 (4 Jahren ago)

    Danke für diesen inspirierenden Artikel!

    Antworten

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