Über Schweden und das Reisen mit Kindern

Indre, Fredrik und ihre beiden kleinen Kinder haben sich eine 3-monatige Auszeit genommen um zu reisen. Die beiden erzählen über das Reisen mit Kindern und das „Glücksland“ Schweden. Indre kommt ursprünglich aus Litauen und ist mit Fredrik aus Schweden verheiratet. Sie leben in Göteborg. Nach Australien und Neuseeland erkunden sie zurzeit die Philippinen.

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Du und dein Mann habt euch entschieden mit zwei kleinen Kindern eine längere Reise zu machen. Wie ist das so?

Indre: Dorothea ist 3 ½ Jahre und Isabel 11 Monate alt. Kein einfaches Alter aber das Reisen mit den beiden läuft gut. Es ist natürlich auch hart aber zuhause wäre es genauso. Da sind wir lieber hier im Warmen. 🙂 Wir fühlen uns hier auf den Philippinen sehr wohl. Es gibt gutes Essen, das Meer und nette Leute. Natürlich ist es anstrengend die ganze Zeit Pläne zu machen und eine Reiseroute zu organisieren.

Daher mein Rat an Familien, die mit Kindern reisen: lieber weniger Programm und länger an einem Ort bleiben!

Man kann auch Aktivitäten wählen, die man gut mit Kindern machen kann. Dann geht man eher in den Zoo und lässt das Bergsteigen weg. Ich kann es jedem empfehlen mit Kindern zu reisen aber gleichzeitig ist es nicht immer leicht, aber das Leben ist mit Kindern grundsätzlich nicht so einfach. 🙂

Fredrik: Wir waren zuerst in Australien und Neuseeland. Es war landschaftlich wunderschön aber es ist auch sehr teuer. Wenn du dort bist, willst du natürlich die Zeit gut nützen und so viel wie möglich sehen. Das ist mit kleinen Kindern aber nicht so leicht. Das nächste Mal würde ich lieber nur in Länder wie die Philippinen fahren. Es ist relativ günstig, man kann  länger an einem Ort bleiben und der Druck fällt weg viel besichtigen zu wollen. Ich glaube auch, dass die Kinder mehr von Australien und Neuseeland gehabt hätten, wenn sie älter wären.

Indre: Wir haben uns für diese Länder entschieden, weil sie ein gutes Gesundheitssystem und Hygienestandards wie bei uns haben. Falls die Kinder krank werden, sind sie gut versorgt. Andererseits, haben sie alle Impfungen. Hier auf den Philippinen gibt es natürlich ein gewisses Malaria-Risiko und wir wollen keinen Insektenabwehrspray für die Kinder verwenden. Das ist nicht ideal aber ich bin da optimistisch. Wir passen mit der Sonne auf, sind fast immer im Schatten und schwimmen eher am späten Nachmittag.

Waren die Kinder schon einmal krank?

Indre: Gar nicht. Die Kinder waren in diesen zwei Monaten kein einziges Mal krank. Das Essen schmeckt ihnen. Fredrik und ich haben einmal etwas nicht so gut vertragen, aber die Kinder hatten gar nichts. Sie haben auch bisher keine Mückenstücke gehabt.

Wie ist es möglich, dass ihr 3 Monate frei habt um zu reisen?

Indre: Mein Mann und ich sind beide in Karenz. Ich bin mit der Kleinen in Karenz und mein Mann hat sich Vaterkarenz für unsere ältere Tochter genommen. Das ist das Gute an Schweden! Es gibt ein tolles Sozialsystem.

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Schweden gilt als eines der glücklichsten Länder der Welt. Wie ist das aus euer Sicht?

Indre: Ich habe das Gefühl, dass ich glücklicher bin als die meisten Schweden. 😀 Ich kann mich an kleinen Dingen erfreuen und weiß, wie ich mich selbst glücklich machen kann. Die Schweden, die ich kenne – aus der Arbeit und Verwandte von Fredrik – sind oft etwas reserviert. Sie sind zwar sehr freundlich, nett und lächeln viel aber gleichzeitig gibt es so einen Verhaltenskodex. Zum Beispiel, musst du wissen, welche Fragen du in einer gewissen Situation stellen darfst. Da ist so ein leichter Stress dahinter, was angebracht ist und was nicht. Man muss das lernen, wenn man in Schweden lebt. Daher frage ich mich, ob manche Schweden vielleicht nur vortäuschen glücklich zu sein und innen drinnen sind sie es nicht in dem Ausmaß, weil sie etwas zurückhalten oder verstecken. Möglicherweise zeigen sie nicht alles von sich und halten ihre Gefühle eher verborgen. Für mich ist das manchmal gar nicht so einfach. Ich komme aus Litauen und lebe erst seit 3 Jahren in Schweden, daher kenne ich diesen Kodex noch nicht so gut. Wenn ich dann Leute aus Litauen treffe, bin ich erleichtert, weil jeder das sagt, was er sagen will. Die Kommunikation kommt mir offener vor. Wenn ich solche Gespräche führe, bin ich wirklich glücklich!

Fredrik: Ich würde sagen, dass immer mehr Menschen in Schweden einsam sind. Wenn man in Ländern wie den Philippinen ist, erkannt man den Unterschied. Hier übernimmt die Familie die Rolle, die bei uns der Staat hat. Hier hilft man sich innerhalb der Familie. Wenn du bei uns arbeitslos oder krank bist, macht das der Staat. In Schweden würdest du nur im äußersten Notfall zu deiner Familie gehen, wenn du Geld brauchst. Aber hier, ist es ganz normal, dass einmal ein Familienmitglied zuhause ist, nicht arbeitet und von den anderen mit unterstützt wird. Man teilt alles. Natürlich ist es eine großartige Errungenschaft, dass der Staat für einen da ist. Ich frage mich aber, ob dieser ausgeprägte Individualismus und die starke Rolle des Staates mit der zunehmenden Vereinsamung zusammenhängen.

Wie könnt ihr euch diese Statistik erklären, dass Schweden ein außergewöhnlich glückliches Land ist?

Fredrik: In Schweden haben wir die Gleichberechtigung und eine sehr gute Kinderbetreuung. Frauen und Männer haben die gleichen Möglichkeiten und verdienen quasi gleich gut. Es ist sehr einfach in Karenz zu gehen und deine Kinder sind ausgezeichnet betreut. Du kannst jederzeit wieder mit gutem Gewissen nach einer Karenz wieder zu arbeiten beginnen.

Indre: Natürlich ist das Sozialsystem sehr gut. Die meisten Leute verdienen gut und haben ein gutes Leben. Das kann Menschen auch glücklich machen oder sagen wir lieber zu deren Glück beitragen. Andererseits finde ich dieses Glück oberflächlich. Ich meine, Geld kann dich nicht glücklich machen. Das System ist gut und du fühlst dich unterstützt, aber das kann nicht alles sein. Was mich betrifft, bin ich sehr glücklich in Schweden. Ich finde, es ist ein gutes Land zum Leben. Ich glaube, es dauert einfach noch bis ich diesen Verhaltenskodex besser verstehe. 🙂

Ich frage mich, ob die Menschen, wenn sie über das Glück befragt werden immer die Wahrheit sagen. 🙂 Wenn du gefragt wirst, würdest du doch tendentiell eher sagen, dass du glücklich bist. Du willst das Beste von dir zeigen. Wenn jemand in Schweden anderer Meinung ist, wird das nicht direkt gesagt. Niemand will eine Konfrontation oder einen Konflikt haben. Manche Gesprächsthemen werden einfach ausgelassen. Man hält Distanz. Natürlich verallgemeinere ich gerade.

Wie kommt es, dass du dich selbst als glücklichen Menschen einschätzt?

Indre: Das ist meine Grundhaltung. Ich vertraue darauf, dass alles gut und positiv sein wird.

Selbst wenn einmal ein Unglück passiert, bin ich davon überzeugt, dass es letztlich zu einer positiven Erfahrung werden kann. Wenn du einen Fehler machst, kannst du daraus lernen.

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Nichts kann mich zerstören…glaube ich zumindest. Ich war mein ganzes Leben lang sehr glücklich. Ich denke, es liegt daran, dass ich eine gute Einstellung habe. Für meinen Mann ist mein Optimismus manchmal etwas zu viel. Unsere jüngste Tochter Isabel ist so wie ich. Sie ist einfach glücklich. Sie lacht jeden Fremden an.

Du hast gestern einmal erzählt, dass freiwilliges Engagement auch einen Beitrag zum Glücklichsein leisten kann. Ich war in Litauen jahrelang freiwillig tätig. Das hat mir so viel Spaß gemacht aber seit ich in Schweden lebe und zwei Kinder habe, ist die Zeit knapp. Vielleicht möchte ich das wieder einmal machen. Zurzeit arbeite ich im Finanzbereich aber ich möchte später einmal in einer Hilfsorganisation tätig sein und anderen Menschen helfen, vielleicht Flüchtlingen…

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